Garajonay - Kann der Lorbeerwald die kanarische Insel La Gomera vor dem Austrocknen bewahren?

Botanik | Biodiversität | Klimawandel

Doris Elster, doris.elster@uni-bremen.de | 28/03/12 | Bremen, Deutschland

(Bild: Garajonay Nationalpark; Quelle: Werner Weichhardt)  “La Gomera, is round, even beautiful and, of all the islands it is the most agreeable to the eye, because in addition to its benign and happy sky, it is full of rolling hills, valleys clad with thick jungle which, enjoying an eternal summer, never lose their leaves.” (Leonardo Toriani, 16th century) La Gomera ist eine der kleinen westlichen Inseln des kanarischen Archipels und liegt zwischen Teneriffa und La Palma. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, geschaffen durch mehrere Eruptionsphasen, die sich mit ruhigen Phasen, in denen die natürlichen Kräfte der Wassererosion wirken konnten, abwechselten. So entstand eine extreme und bizarre Landschaft, die durch Steilwände, Reste der Vulkankegel und durch tiefe Täler und Schluchten gekennzeichnet ist. Garajonay – UNESCO Weltnaturerbe Der Garajonay National Park liegt im zentralen Hochland von La Gomera. Er umfasst 4,000 ha und beinhaltet und schützt ein einzigartiges Waldökosystem, den kanarischen Lorbeerwald, der ursprünglich in den nebelerfüllten Zonen der gebirgigen westlichen kanarischen Inseln verbreitet war. Lorbeerwald – Urwald im Nebelmeer Der Lorbeerwald im Nationalpark Garajonay ist eines der ungewöhnlichsten Ökosysteme der Erde. Er ist ein Wald, der aus verschiedenen Arten von immergrünen Bäumen besteht, deren Blätter eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Lorbeerbaum aufweisen. Das Überleben dieser Arten hängt von der Feuchtigkeit und der milden Temperatur im Jahresverlauf mit geringer Fluktuation  ab. Typisch für den Lorbeerwald ist das Wolkenmeer, das ihn fast immer umgibt. Der Nebel bewirkt, dass die örtliche Temperatur im Lorbeerwald immer zwischen 13 und 16 Grad liegt, während in einigen anderen Teilen der Insel um die Mittagszeit bis zu 30 Grad erreicht werden. Historische Entwicklung Lorbeerwald-Ökosysteme sind genuine „Lebende Fossilien“, Reste von subtropischen Wäldern, die entlang der Küsten des Mittelmeeres vor Millionen von Jahren - im Zeitalter des Tertiärs - wuchsen. Diese subtropischen Wälder wurden als Ergebnis des Klimawandels - verursacht durch die Eiszeiten - zurückgedrängt. Heute finden wir nur mehr Relikte des ursprünglichen Waldes in einigen Inseln des Atlantiks (Azoren, Madeira, Kanaren). Der Nationalpark Garajonay ist eines der größten rezenten Lorbeerwald-Ökosysteme, gekennzeichnet durch seine ökologische Komplexität und die außergewöhnliche Bedeutung seiner endemischen Arten. Außerdem ist er einer der wenigen verbleibenden Urwälder in Europa. Das Wort „Urwald“ beschreibt eine grundlegend intakte bzw. vom Menschen nur geringfügig veränderte Waldgesellschaft, in der unterschiedliche Baumarten dichte Bestände bilden und in der es zu einer Akkumulation der Biomasse kommt. Ein Urwald ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein verschiedener Schichten, wobei die oberste Schichte durch die höchsten und ältesten Bäume gebildet wird, sowie dem Vorhandensein von Totholz, das durch die Menschen nicht beseitigt wird. Artenvielfalt im Lorbeerwald Die im Laurisilva am häufigsten vorkommenden Baumarten sind – gereiht nach ihrer Häufigkeit – die folgenden: Erica arborea (Baumheide) Myrica faya (Gagelbaum) Ilex canariensis (Stechpalme) Laurus azorica (Makaronesischer Lorbeer) Persea indica Picconia excelsa Andere Arten sind weitaus seltener. Unter ihnen sind folgende baumbildende Arten: Erica scoparia (kanarische Eibe) Ocotea foetens (Kanarischer Stinklorbeer) Apollonias barbujana (Barbusano) Visnea mocanera (Mocan) Arbutus canariensis (Erdbeerbaum) Rhamnus glandulosa (Drüsiger Faulbaum) Ebenso erwähnenswert ist die Vielzahl der Moose und Flechten, welche die Rinden der Bäume bedecken, sowie die dichte Decke an Farne, welche sich aufgrund der hohen Feuchtigkeit bestens entfalten.  Klima oder Woher kommt der Nebel? Die Kanaren sind subtropische Inseln und sind der Westküste Afrikas vorgelagert. Sie haben hauptsächlich mediterranes Klima, mit anderen Worten, sie haben eine lange Trockenperiode und Regenfälle sind selten und hauptsächlich in den Herbst- und Wintermonaten. Dazu kommt, dass der atlantische Ozean die Temperatur dahingehend beeinflusst, dass die Sommer kühler und die Winter milder sind als in den kontinentalen Gebieten des gleichen Breitengrades. La Gomera liegt genau in einem Bereich, in dem unterschiedliche klimatische Systeme zusammenkommen und interagieren. Die Insel wird von den Passatwinden beeinflusst, die beladen mit Feuchtigkeit nach ihrer Passage über das Meer vom Nordosten kommend die Insel erreichen. In den gebirgigen Regionen erreicht der Luftkörper seinen Kondensationspunkt. Es bildet sich eine Nebelschicht unterschiedlicher Mächtigkeit, die sich über den nördlichen Gipfeln der Insel hält. Das verursacht ein Phänomen, das wir als „Nebelmeer“ kennen. Die Höhenlage dieses „Nebelmeeres“ variiert zwischen 600 und 1800m und seine Mächtigkeit kann bis zu 500m betragen. Der Lorbeerwald - ein absorbierender Schwamm Das häufige Vorkommen von Nebel auf den Berggipfeln der Insel hat eine Reihe wichtiger ökologischer Konsequenzen: die geringe Sonneneinstrahlung im Jahresmittel und die hohe Feuchtigkeitsrate limitieren das Vertrocknen der Vegetation während der Trockenzeiten und versorgen die Pflanzen mit Wasser durch ein Phänomen, das als „horizontaler Regen“ bekannt ist: Die Bäume selbst generieren eine Art Regen. Sie absorbieren die feinen Feuchtigkeitströpfchen des Nebels, die durch die Poren der Bäume aufgenommen werden. Wenn die Zweige gesättigt sind, dann beginnen sie zu tropfen und das bewirkt eine Durchfeuchtung des Bodens. Die Bedeutung  dieses Phänomens darf nicht unterschätzt werden bei einer so hauptsächlich trockenen Insel wie La Gomera. Dieses Naß speist Quellen und versorgt auch tieferliegende Täler mit lebensspendendem Wasser. Was denken Sie? Hat der Garjonay National Park das Potential, die Austrocknung in La Gomera zu verhindern? Haben Sie eine Idee wie man IBSE Aufgaben zu den Phänomenen „Nebelmeer“ (in Abhängigkeit von Temperatur und Wind), „horizontaler Regen“ und Pflanzen (wie Moose und Flechten) als absorbierende Schwämme entwickeln kann? Lassen Sie uns Ihre Ideen wissen. Lesen Sie weiter unter: http://whc.unesco.org/en/list/380   Literatur: Angel , Fernandez (2010). National Park Garajonay La Gomera. Visitors‘ Guide. La Gorma: Lerkoprint, S.A. Müller, A., Müller, T.K. (1996). Pflanzen auf La Gomera [Plants in La Gomera], La Gomera: Goldstadtdruck.

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