Luftverschmutzung lässt fleischfressende Pflanzen den Appetit verlieren

Botanik

tanja.barendziak@uni-bremen.de | 08/08/12 | Bremen, Germany

  Bild: Drosera rotundifolia (Rundblättriger Sonnentau). Quelle: http://www.botanikus.de

Die Studie wurde in drei schwedischen Sumpfgebieten durchgeführt, in denen der Gehalt an Stickstoffhaltigen Ablagerungen durch Niederschläge vom nördlichsten zum südlichsten Sumpf deutlich abnahm. Der rundblättrige Sonnentau, Drosera rotundifolia, ist eine verbreitete Pflanze in den Sümpfen Nordeuropas. Sümpfe bieten ein schlechte Versorgung an Nährstoffen, wie zum Beispiel Stickstoff. Der rundblättrige Sonnentau hat gelernt mit diesem Defizit umzugehen, indem er seine bunten und klebrigen Blätter nutzt, um Insekten anzuziehen, an seinen klebrigen Blätter festzuhalten und schließlich zu verdauen. Durch diese Anpassung stellt der Sonnentau eine der wenigen krautigen Pflanzen dar, die in Sümpfen umgeben von Sumpfmoos gedeihen können.

Der Gehalt von Stickstoff, der durch Niederschläge in den Boden gelangt, ist durch das menschliche Einwirken (Industrie und Verkehr) zunehmend angestiegen und führt so zu Störungen in dem einzigartigen Ökosystem Sumpf. Die hier vorgestellte Studie zeigt, dass der rundblättrige Sonnentau durch zunehmende Stickstoffniederschläge mehr und mehr Stickstoff über seine Wurzeln aufnimmt. Fliegen fangen ist einfach nicht mehr so wichtig.

"Die Pflanze wächst üppiger, mit größeren Blättern, hat aber nicht mehr die gleiche Notwendigkeit Insekten zu fangen, um seinen Nährstoffbedarf zu decken", sagt Hakan Rydin, Professor der Pflanzenökologie an  der Universität in Uppsala, der zusammen mit seiner Kollegin Professor Brita Svensson und einem Britischen Team an der Studie gearbeitet hat.

Die Forscher sammelten Sonnentau Pflanzen, Insekten und Moos von gleichen Standorten und untersuchten den Gehalt verschiedener Stickstoffisotope. Stickstoff biologischen Ursprung-zum Beispiel von Fliegen- hat eine unterschiedliche Zusammensetzung der Stickstoffisotope als Stickstoff der aus Regen stammt. So waren sie in der Lage den Gehalt von Stickstoff, der über die Wurzeln aufgenommen wurde und dem aus verdauten Insekten zu unterscheiden. Die Ergebnisse zeigen dass Sonnentau der in den Gebieten mit der geringsten Luftverschmutzung wächst 57% seines Stickstoffs über Insekten zu sich nimmt, wohingegen dieser bei Pflanzen in Gebieten mit höherer Luftverschmutzung unter 22% liegt.

Wie ist es für den Sonnentau möglich seine Ernährung in diesem Ausmaß  zu ändern? Die Wissenschaftler vermuten dass es mit der Farbe und Klebrigkeit der Blätter zu tun hat. Frühere Studien zeigten, dass eine erhöhte Menge an Stickstoff zu weniger roten und klebrigen Blättern führt- wobei angenommen wird, dass die rote Farbe der Blätter für die Anziehung der Insekten verantwortlich ist. Forscher wollen dieser Vermutung nun weiter nachgehen und die Anzahl der zu untersuchenden Sümpfen in ihrer Studie erhöhen und auch die Messung der Farbintensität und Klebrigkeit der Blätter mit in ihre Studie einbeziehen.

Wie wichtig ist das Fangen von Insekten für das Überleben der Pflanzen in ihrer Umgebung? Die Fähigkeit Insekten zu fangen ist ein klarer Wettbewerbsvorteil in einer nährstoffarmen Umgebung, geschieht aber unter anderem auf Kosten einer eingeschränkten Photosyntheseleistung. Mit anderen Worten, andere Pflanzen haben hier wieder einen Vorteil. Die größte Gefahr besteht darin, dass die stickstoffhaltigen Niederschläge Pflanzen begünstigen die schneller wachsen, wie zum Beispiel Riedgräser. Dies würde bedeuten dass die Gefahren des Sonnentaus überschattet werden und dieser droht auszusterben.  

Lesen sie den kompletten Artikel. 

Kommentar

Es gibt noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste, der einen Kommentar abgibt.
Wollen Sie einen Kommentar abgeben? Bitte registrieren Sie sich.

Log in      Registrieren

Schriftgröße

              

Unterstützt von

  Share on Facebook